Mit Photoshop ein Portrait im Retro-Look anzulegen, ist gar nicht so schwer. In unserem Tipp gehen wir heute durch einige Schritte, um einem normalen Portrait einen besonderen Effekt zu verleihen.
Starten Sie, indem Sie ein Portrait in Camera Raw (ich nutze Version 5.6) öffnen. Zunächst verbessern Sie jetzt den Gesamteindruck des Portraits. Dazu passen Sie Belichtung und Farbstimmung zunächst ganz normal an. Nutzen Sie die Selektive Anpassung, die Sie über [t] erreichen, um die Gradationskurve präzise zu steuern.
Um die Schärfung in Camera Raw nicht auf die Haut anzuwenden, schalten Sie in die 100%-Ansicht und wechseln in das Register Details. Hier halten Sie die [Alt]-Taste gedrückt, während Sie den Regler Maskieren bedienen. Ziehen Sie ihn so weit auf, bis nur die Konturen, die geschärft werden sollen, in der Maske erscheinen (siehe auch http://tiny.cc/1bSL3).
Halten Sie die [Shift]-Taste gedrückt und klicken Sie auf Objekt öffnen, um das Bild als Smart-Objekt in Photoshop zu öffnen. So können Sie die Camera-Raw-Einstellungen später jederzeit wieder ändern, indem Sie auf das Smart-Objekt doppelklicken.
In Photoshop legen Sie über Auswahl -> Farbbereich eine Auswahl der Haut an. Arbeiten Sie mit einem niedrigen Toleranz-Wert, um nur die Haut, nicht aber Haare, Lippen oder Augen zu erfassen. Mit dem Lasso in der Einstellung Der Auswahl hinzufügen können Sie Bereiche, die nicht erfasst wurden, der Auswahl hinzufügen.
Mit [Strg]+[j] machen Sie aus der Auswahl eine eigene Ebene. Beseitigen Sie hier mit dem Kopierstempel und dem Ausbessern-Werkzeug eventuell störende Hautunreinheiten.
Wenden Sie auf diese Ebene Filter -> Weichzeichnungsfilter -> Gaußscher Weichzeichner mit einem Radius von etwa 3 bis 5 Pixeln an, um die Haut abzusoften und Konturen verschwimmen zu lassen. Bei Bedarf können Sie die Wirkung nun noch über die Deckkraft der Ebene steuern, damit sie ganz unauffällig in das Gesicht überblendet.
Um die Haare anzupassen, markieren Sie in der Ebenenpalette wieder das Smart-Objekt und legen erneut eine Farbauswahl an – diesmal nur für die Haare.
Über Neue Füll- oder Einstellungsebene erstellen richten Sie eine Gradationskurve für die Haare ein. Hier heben Sie die zu dunklen Stellen in den Haaren leicht an.
Damit haben Sie die Basisarbeit an Ihrem Portrait bereits abgeschlossen und können sich den Details zuwenden.
Um etwas Glanz in Lippen und Augen hinzuzufügen, legen Sie ganz oben in Ihrem Ebenenstapel eine neue, leere Ebene an.
Nehmen Sie einen weißen Pinsel mit einerweichen, nicht zu großen Pinselspitze – der Durchmesser des Pinsels sollte in die Iris passen. Stellen Sie in der Optionsleiste des Pinsels die Deckkraft auf etwa 70 Prozent.
Malen Sie in der 100%-Ansicht über die Iris und andere Bildstellen, die etwas Glanz erhalten sollen.
Setzen Sie die Füllmethode dieser Ebene auf Ineinanderkopieren und reduzieren Sie die Deckkraft auf etwa 20 – 40 Prozent, damit der Glanz natürlich wirkt.
Um Bereiche abzudunkeln, können Sie ebenso vorgehen, nur nehmen Sie dann einen schwarzen Pinsel.
Fassen Sie die bisherigen Ebenen über [Alt]+[Shift]+[Strg]+[e] zu einer neuen Ebene zusammen.
Kopieren Sie die zusammengefasste Ebene mit [Strg]+[j].
Kopieren Sie diese Kopie der Ebene und entfärben Sie sie über Bild -> Korrekturen -> Farbton/Sättigung. Hier ist etwa experimentieren angesagt, damit die Wirkung für Ihr Bild passt. Ich habe den Farbton auf +4 gestellt, die Sättigung auf -35 und die Helligkeit auf -1.
Legen Sie nun über Neue Füll- oder Einstellungsebene erstellen eine Einstellungsebene vom Typ Helligkeit/Kontrast an. Hier habe ich für die Helligkeit den Wert 24 vorgegeben und für Kontrast 40. So kommen wir dem „Ausbleich“-Look schon etwas näher.
Halten Sie die [Alt]-Taste gedrückt und klicken Sie auf die Linie zwischen der Einstellungsebene und der eben entfärbten Ebene. So wirkt die Einstellungsebene nur auf diese Ebene.
Kopieren Sie Ihre zusammengefasste Bildebene erneut und wenden Sie einen Filter an, der Ihr Bild in eine „Zeichnung“ umwandelt, wie etwa Filter -> Stilisierungsfilter -> Konturen finden. Die so entstandene farbige Zeichnung wandeln Sie mit Bild -> Korrekturen -> Schwarzweiß und der Vorgabe Maximales Schwarz in eine SW-Darstellung um.
Übermalen Sie mit einem weißen Pinsel alle Bereiche, wo die Linie im späteren Bild stören würden. Das können Sie im Verlauf der Bearbeitung überprüfen und noch nacharbeiten. Wenden Sie auf die Ebene Filter -> Weichzeichnungsfilter -> Gaußscher Weichzeichner an, um die Konturen etwas aufzuweichen. Ein Radius von 2 bis 3 Pixeln sollte ausreichen.
Die Füllmethode dieser Ebene setzen Sie auf Ineinanderkopieren. Reduzieren Sie die Deckkraft auf etwa 30 bis 40 Prozent.
Auch bei dieser Ebene halten Sie wieder die [Alt]-Taste gedrückt und klicken auf die Linie zwischen der ‚Zeichnung’ und der Einstellungsebene. So wirkt sich die Zeichnung nur auf die entfärbte Ebene aus.
Bei dieser Aktion sind allerdings auch Augen und Lippen wieder etwas fahler geworden. Um das zu verhindern, markieren Sie in der Ebenenpalette die entfärbte Ebene und legen eine weiße Maske an, indem Sie auf das Symbol Ebenenmaske hinzufügen klicken.
Auf dieser Maske pinseln Sie nun mit einem schwarzen Pinsel alle Bereiche frei, die nicht ausgebleicht werden sollen.
Was jetzt noch fehlt, ist ein passender Hintergrund. Suchen Sie sich ein passendes, etwas antiquiert wirkendes Muster, etwa von einem alten Stoff oder einer Tapete.
Bringen Sie bei Bedarf Ihr Portrait mit Bild -> Arbeitsfläche und der Option Relativ auf eine passende Größe, damit der Hintergrund gut ins Bild passt. In unserem Beispiel haben wir das Bild zum Querformat gemacht, indem wir an der linken Seite 2500 Pixel angesetzt haben.
Die leere Fläche wurde dann einfach auf einer leeren Ebene, die unter die erste Bildebene gesetzt wurde, mit dem Füllwerkzeug in der Farbe des Hintergrundes aufgefüllt. Hintergrundreste auf den anderen Ebenen wurden mit dem Radiergummi entfernt.
Diese Füllung muss nicht übermäßig präzise sein, da der Hintergrund gleich noch weiter bearbeitet wird. Die Farbfläche soll nur einigermaßen homogen sein, um ein gleichmäßiges Ergebnis zu ermöglichen.
Öffnen Sie Ihr Hintergrundbild und ziehen Sie es mit dem Verschieben-Werkzeug über Ihr Portrait. Mit [Strg]+[t] können Sie Transformieren aufrufen und über die Anfasspunkte den Hintergrund auf die passende Größe bringen. Der neue Hintergrund deckt nun das gesamte Bild ab.
Stellen Sie die Deckkraft der Ebene auf etwa 40 Prozent ein, so dass Sie das Portrait sehen können. Legen Sie über Ebenenmaske hinzufügen eine Maske an und arbeiten Sie mit einem weichen Pinsel in Schwarz das Portrait heraus. Nutzen Sie an den Übergängen eine geringe Pinsel-Deckkraft, damit es keine harten Kanten gibt.
Ist das Portrait freigestellt, regeln Sie die Wirkung des Hintergrundes über die Deckkraft der Ebene.
Sie können nun bei Bedarf die Ebenen mit [Alt]+[Shift]+[Strg]+[e] zu einer Ebene zusammenfassen und weitere Bildelemente, wie etwa Störungen und Rahmen, hinzufügen.
(tok)
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