In Großbritannien, lange Zeit bekannt als eines der Mutterländer der persönlichen Freiheit, tut sich gerade etwas gleichermaßen Erstaunliches wie Beschämendes: Fotografen werden, so Sie in freier Wildbahn, d.h. auf öffentlichem Grund, angetroffen werden, gern schon mal mit Polizeigewalt oder zumindest der Berufung auf diese daran gehindert, ihrer Tätigkeit nachzugehen.
Möglich macht dies die „Section 44“-Regelung (http://tiny.cc/D3Luu), die es im Rahmen der Anti-Terror-Gesetzgebung der Polizei erlaubt, Beliebigkeitsdurchsuchungen von Fotografen, die als “Terroristen mit Aufklärungsmission” im öffentlichen Raum angetroffen werden, durchzuführen.
Da wird dann gern schon mal mit polizeilichen Methoden gegen Fotografen vorgegangen, die etwa dem wahnsinnigen Ansinnen frönen, als Weihnachtsmänner verkleidete Demonstranten auf einem Flughafen oder – noch schlimmer – die St Paul’s Cathedral ablichten zu wollen.
Besonders pfiffig ist dabei die Regelung, dass die durch die „Section 44“ verbotenen Orte nicht durchgängig als solche gekennzeichnet sind und damit Fotografen kaum eine Chance haben, dem seltsamen Ansinnen von Wachpersonal oder Polizei zu entgehen und damit rechnen müssen, dass sie genötigt werden, nicht nur persönliche Daten preiszugeben, sondern womöglich auch noch ihre Aufnahmen zu löschen.
In Großbritannien gibt es mittlerweile die Initiative „I’m a Photographer, not a Terrorist“, die sich gegen die Pauschalverdächtigung von Fotografen als potentielle Terroristen wehrt. Die Berichte, die auf dieser Webseite zu lesen sind, sind teilweise schon sehr abenteuerlich und gipfeln in so bizarren Situationen wie der inquisitorischen Befragung eines Malers (!), der eine Fabrik malte und dabei mit dem Rücken zu einem Flughafengelände saß, was wiederum den Sicherheitsdienst des Flughafens auf den Plan rief, der fachmännisch feststellte, dass niemand Fabriken malen würde und eine ernste Bedrohung vermutete. Natürlich, es ist ja bekannt, dass der internationale Terrorismus inzwischen spezielle Wasserfarb-Spähtrupps einsetzt. Das sind vermutlich dieselben Gruppierungen, die Angriffe mit Schwert und Rüstung planen und in ihrer Freizeit König Artus’ Tafelrunde besuchen.
Um auf diese verirrte Sicherheitsauffassung hinzuweisen, ruft „I’m a Photographer, not a Terrorist“ zu einer Demonstration am 23. Januar auf dem Trafalgar Square in London auf.
Für uns mögen die Vorgänge in Großbritannien derzeit noch wenig relevant sein – die Möglichkeit, dass man auch hierzulande zu solch angstgetriebenen Maßnahmen greifen könnte, scheint mir nicht übermäßig weit hergeholt.
(tok)





