Wes Lied ich sing, des Bild ich mach – oder auch nicht

I'm a Photographer, not a Terrorist

I'm a Photographer, not a Terrorist

Nicht erst mit dem Jahreswechsel – an dieser Stelle herzlich willkommen in 2010 – gab es einige bemerkenswerte Entwicklungen, die für genügend Zünd- und Diskussionsstoff für die ersten Monate des Jahres sorgen werden.

Da rätselten die Menschen über die recht marginale Frage, ob sie sich in einem neuen Jahrzehnt befänden oder nicht, ohne dabei auf den in diesen Fällen gern kolportierten Kaiser Wilhelm II Rücksicht zu nehmen, der schon zum Jahreswechsel 1900 bestimmt haben soll, dass dies auch der Beginn des neuen Jahrhunderts sei, während die US-Geheimdienste bewiesen, dass es nicht ausreicht, große Datenbanken zu haben, sondern man diese auch nutzen können muss.

Auch das Lieblingskind der Hightech-Gadgets, das iPhone, bewies, dass selbst intelligente Geräte problemlos in der Unterschicht ankommen können, was unter anderem an der Beliebtheit der Bild-App im Verbund mit den illiteraten Kommentaren zu eben jener Anwendung deutlich wurde. Gleichzeitig entschieden sich die deutschen Verleger dazu, zu ignorieren, dass das Internet nicht so funktioniert, wie sie es sich wünschen und liefen Sturm gegen die Frechheit der Tagesschau, die Nachrichten in einer kostenlosen App präsentieren zu wollen. Was wird erst passieren, wenn sie merken, dass es dieses Nachrichtenprogramm sogar kostenlos im Fernsehen gibt?

Ach ja, und dann war da noch die Brigitte: Das Magazin ist angetreten, uns zukünftig nicht mehr die Vertreterinnen der Anorexie-Liga als Idealfiguren vorzuführen und präsentiert im neuen Jahr erstmals Lehrerinnen, Studentinnen, Verkäuferinnen, Künstlerinnen, Buchhändlerinnen und Gastronominnen als Models für Mode- und Beauty-Themen.

Demgegenüber gingen andere Themen, die wichtig sind, naturgemäß etwas unter und noch immer gibt es nur wenig Aufhebens um die immer stärker ausgeübte Zensur und Verfolgung von (Internet-)Journalisten und Bloggern in verschiedenen Ländern – übrigens nicht nur in diversen nah- und fernöstlichen Staaten, wie die britische Regierung zeigt, die sich, getrieben von der gern für solche Zwecke genutzten Terrorangst, dazu veranlasst sieht, mit polizeilichen Methoden gegen Fotografen vorzugehen, die etwa dem wahnsinnigen Ansinnen frönten, als Weihnachtsmänner verkleidete Demonstranten auf einem Flughafen oder – noch schlimmer – die St Paul’s Cathedral ablichten zu wollen.

Weitere Infos finden Sie hier (in englischer Sprache):

I’m a Photographer, not a Terrorist

Warning: Do not take this picture

NUJ slams photographer’s arrest

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