Wovon leben freie Journalisten?

Wer sich schon immer einmal gefragt hat, ob freie Journalisten tatsächlich von diesem Beruf leben und ihr Geld damit verdienen, der kann sich nun möglicherweise Rat bei einem der deutschen Journalistenverbände holen.

Mir hat zumindest einer der großen deutschen Verbände in einem Schreiben seine Sicht der Dinge mitgeteilt. Dort unterscheidet man nämlich, zwischen hauptberuflichen Journalisten – das sind jene, die man gemäß Satzung aufnehmen dürfe – und freiberuflichen Journalisten. Das müssen dann wohl automatisch diejenigen sein, die nicht hauptberuflich vom Journalismus leben.

Da weiß ich doch endlich, dass ich seit Jahren gar nicht hauptberuflich schreibe. Da ich das aber bisher geglaubt habe, muss ich wohl mehrere Stunden am Tag in einem Paralleluniversum verbringen, in dem ich mein Geld verdiene. Ich würde nur gern wissen, was ich da wohl so mache, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Womöglich bin ich Holzfäller? Oder ich mache Marketing bei Microsoft? Oder bin ich gar Schreibkraft in einem Journalistenverband? Das würd ich jetzt aber schon gern wissen…

Natürlich wirft ein solch beeindruckend formuliertes Schreiben auch die eine oder andere Frage hinsichtlich der Sinnhaftigkeit einer solchen Interessenvertretung auf. Hat man dort schlicht noch nicht mitbekommen, dass es jede Menge Journalisten gibt, die von ihren Texten und Bilden hauptberuflich leben, ohne bei einem Verlag fest angestellt zu sein?  Oder  beschäftigt man dort Menschen, die mit der deutschen Sprache nicht so recht vertraut sind und den kleinen, aber im Kontext wichtigen Unterschied zwischen ‘hauptberuflich’ (= von der Tätigkeit für unterschiedliche Auftraggeber lebend) und ‘festangestellt’ (= von der vertraglichen Tätigkeit für einen Arbeitgeber lebend) nicht recht verstanden haben?

In beiden Fällen ein eher trauriges Bild  …

(t0k)

[ad#Beitrag]


Comments are closed.