Melanie Schmidt

© Melanie Schmidt

Melanie Schmidt ist freiberufliche Fotografin in Würzburg und Assistentin des bekannten Fotografen Robin Preston. Ich hatte Gelegenheit, mit Ihr ein unterhaltsames Gespräch über die Rolle einer Foto-Assistentin und ihrem „Doppelleben“ als Fotografin und Assistentin zu führen.

tok: Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Eigentlich wollte ich nie Fotografin werden (lacht). Ich habe aus langweile und für den Lebenslauf ein Praktikum gemacht – und bin dabei, mit Gesellenbrief, hängen geblieben.

tok: Du bist nicht nur selbst Fotografin, sondern auch Assistentin des bekannten Fotografen Robin Preston. Wie kam es dazu?

Das war absoluter Zufall! Ich war schlicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort und wir haben uns gut verstanden.

tok: Was macht eigentlich eine Assistentin?

Alles! (lacht) Aber es stimmt wirklich – zu den Aufgaben gehört beispielsweise das Vorbereiten und Abklären von Shootings und die Suche geeigneter Locations. Dann muss man das Material in Stand halten, das Equipment packen, für Verpflegung sorgen du den Set vorbereiten, aufbauen und einleuchten. Und so ganz nebenbei bin ich auch noch für gute Stimmung am Set zuständig und, nicht ganz unwichtig, für das sichern und kontrollieren der Daten. Es gibt sicher noch ein paar Kleinigkeiten, die ich jetzt vergessen habe, aber das ist so die Richtung …

tok: Ist es nicht seltsam, als Assistentin zu arbeiten, wenn man selbst Fotografin ist? Juckt es einen da nicht in den Fingern, sich einzumischen?

Wer sagt denn, dass ich mich nicht einmische? (lacht) Man muss es nur richtig verkaufen. Bei Robin und mir ist es eine Art Symbiose. Er kommt von der Peoplefotografie und ich aus der Produktfotografie. Wir haben beide ganz klare Stärken und ergänzen uns.

tok: Fotografierst Du auch analog? Was sind für sie die Unterschiede zum digitalen Workflow?

Ich fotografiere schon länger nicht mehr analog. Die Zeitsspanne, in denen man heute einen Job zu erledigen hat, ist einfach zu klein geworden. Analog ist für den Profi-Alltag einfach zu langsam.

tok: Willst Du mit Deinen Bildern eine bestimmte Aussage transportieren?

Ich mache hauptsächlich Werbung, da bleibt nicht viel Platz für ein freies Austoben der Kreativität, aber natürlich hat jeder Fotograf seine eigene Handschrift.

So transportiert auch jedes Bild eine  Aussage, die aber bei vielen Jobs recht profan ist: Kauf mich! Wenn ich frei arbeite, sieht es dann schon anders aus. Allerdings habe ich kein immer wieder auftauchendes Thema, sondern lasse mich von meinen jeweiligen Stimmungen und Vorstellungen leiten.

tok: Hast Du eine spezielle Ausbildung (Kunst, Fotografie etc.)?

Nachdem ich für ein Studium auf der Warteliste stand, habe ich zur Überbrückung eine ganz klassische Ausbildung zur Fotografin gemacht und habe dabei gemerkt, dass das genau mein Ding ist. So bin ich dabei geblieben.

© Melanie Schmidt

tok: Arbeitest Du eher frei oder überwiegen die Fotoaufträge?

Nachdem ich davon lebe, sind freie Arbeiten eher Mangelware; Kunst wird ja selten gut bezahlt. Ich würde mich daher als typische Auftragsfotografin bezeichnen.

© Melanie Schmidt

tok: Was sind Deine aktuellen Projekte?

Gerade habe ich einen schönen Architekturkalender für einen Immobilienkunden von der Druckerei abgeholt und jetzt steht die Markteinführung einer neuen Luxus-Brillenmarke an. Dazu darf ich aber noch nichts verraten.

tok: Wie kommst Du auf Deine Ideen?

Ehrliche Antwort? Ich weiß es nicht! Ähnlich wie bei Robin sind sie einfach da. Ich schlafe dann noch einmal eine Nacht darüber und dann kann es schon losgehen.

tok: Als Fotografin hast Du sicher den einen oder anderen Tipp für meine Leser. Worauf sollte man achten?

Also, einen Leitsatz hätte ich da: Vordergrund macht Bild gesund. Aber wirklich wichtig ist es, authentisch zu sein. Man sollte wissen, wo die eigenen Stärken liegen und diese herausarbeiten. Und man sollte sich nicht beirren lassen und einfach machen, ausprobieren, spielen und kreativ sein.

tok: Wenn Du ein Shooting planst, hast Du dann schon die Bilder im Kopf?

Wenn früher jemand zu mir gesagt hat „du musst das Bild im Kopf haben, bevor du die Kamera in die Hand nimmst“, dann habe ich Ihn fast ausgelacht. Jetzt weiß ich, dass es nur so funktioniert. Ich habe immer das fertige Bild im Kopf.

tok: Besprichst Du das Vorhaben schon vor dem eigentlichen Shooting mit Deinem Modell?

Natürlich! Wobei Kühlschränke da immer bisschen unterkühlt reagieren (lacht). Wenn ich aber Menschen fotografiere, gibt es immer mindestens ein Vorgespräch.

tok: Was gehört neben der Fotoausrüstung für Dich auf jeden Fall mit zum Shooting?

Sie sollten eigentlich zur Ausrüstung gehören – aber viele haben leider vergessen, dass es sie gibt: Die Graukarte und der Belichtungsmesser. Beides hilft, um kontrolliert arbeiten zu können. Und gute Aufnahmen sind ja nun mal die Grundlage.

tok: Herzlichen Dank für das unterhaltsame Gespräch.

(tok)

Get Adobe Flash playerPlugin by wpburn.com wordpress themes