Heute hatte ich die Gelegenheit, mit einer grandiosen Künstlerin aus Berlin, dem Multitalent Tina Cassati, zu sprechen, deren Bilder eine ungeheure Kreativität und Kraft ausstrahlen.
1. Wie bist Du zur Fotografie gekommen?
Begonnen habe ich mit der Malerei & Illustration, dem Kostümbau, mit kleinen Objekten und Performance. Da ich von meinen Performanceaktionen und besonders von meinen Kostümen Fotos benötigte, oftmals auf unzuverlässige Fotografen traf und die Fotos nie bekam, begann ich selbst zu fotografieren und Freunde stellten sich als Modelle zur Verfügung. So kam ich zur Fotografie.
2. Arbeitest Du auch auf anderen Gebieten oder fotografierst Du ausschließlich?
Ich bin nicht ausschließlich auf den Bereich der Fotografie festgelegt, das war ich von Beginn an nicht. Ich male auch weiterhin, nähe Kostüme und beschäftige mich mit Hutkunst (Recycling Art Projekt), wenn es zeitlich geht, gibt es auch noch den Bereich der Performance, aber eher selten.
3. Wie bist Du auf Deinen Stil gekommen? Gab es da eine Initialzündung oder hast Du schon immer so gearbeitet?
Das ist ein Entwicklungsprozess, der über viele Jahre wächst, das Experimentieren ist sehr wichtig, das Ausprobieren von verschiedenen Ausdrucksmitteln, die Modelle und Menschen, die einem beim kreativen Prozess zur Verfügung stehen, das Arbeiten in Phasen, die Erlangung von Erfahrung und Fertigung über Jahre, man entwickelt so ganz “schleichend” seine eigene Ausdrucksweise, aber angekommen bin ich noch lange nicht, wenn man überhaupt sagen kann, das man je ankommt.
Ich denke, man befindet sich immer im Lernprozess, wenn man offen ist für NEUES und sich nicht auf erlangten Ergebnissen ausruhen will. Eine Mischung aus ständiger Neugier und chronischer Unzufriedenheit lässt kein Ausruhen zu. Wichtig sind dabei kreative Pausen, um nicht Auszubrennen, Zeit der Reflektion und der kritische Blick auf das eigene Werk. Sonst kann es passieren, dass man sich im Kreis dreht und irgendwann stehen bleibt oder das Werk in einer Schublade verbleibt und sich “einfährt”.
Willst Du mit Deinen Bildern eine bestimmte Aussage transportieren?
THE WORLD NEEDS MORE FANTASY – Salvador Felipe Jacinto Dali
Das hängt immer von der Thematik ab, die meisten Bilder entstehen konzeptionell und vermitteln somit gleichsam die Thematik für den Betrachter. Die Fantasie ist jedoch ein ständiger Begleiter und jeder kann auch das in den Bildern sehen, was er gerne sehen möchte. Ohne Druck oder Vorlage des Fotografen. Seit einiger Zeit realisiere ich auch Serien mit politischen Inhalten, Themen, die mich als Künstlerin bewegen und die ich mehr zeigen möchte. Andere Arbeiten sollen einfach aus dem grauen Alltag hinaus entführen und ein Abtauchen in Fantasie- oder moderne Märchenwelten für den Betrachter und auch für mich ermöglichen. Ich schreibe da nichts vor, alles ist möglich und vor allem frei. Viele Arbeiten sind Langzeitkonzepte und daran arbeite ich dann mehrere Jahre, so habe ich mehr Zeit, mich ausgiebig mit dem entsprechenden Thema verschiedenartig auseinanderzusetzen.
“Das Bild hat keinen besonderen Zweck. Es hat nur den einen Zweck, uns glücklich zu machen. Das ist etwas ganz anderes als die Beziehung zum äußeren Leben, also muss es auch anders organisiert sein. Wir wollen eine Leistung darin sehen, wir wollen eine besondere Leistung. Es soll etwas sein, das uns zu schaffen gibt, was wir gerne öfter sehen, was wir zum Schluss gerne besitzen möchten. Erst da sehen wir, ob es uns glücklich macht.” (Paul Klee 1922)
Arbeitest Du nur frei oder übernimmst Du auch Fotoaufträge?
Ich bevorzuge das freie Arbeiten, da ich so als Künstlerin meine Visionen besser umsetzen kann, ohne Einengung. Aufträge nehme ich nur an, wenn mich das Thema wirklich interessiert und mein Werk bereichert, ich dazu lernen kann, eine Herausforderung erkenne, ein Wachsen über sich selbst hinaus möglich ist und vor allem das Honorar angemessen ist.
Was sind Deine aktuellen Projekte?
Ich arbeite derzeit weiter an meinen Langzeitprojekten “Hommage Elsa Schiaparelli” und “Il Moderno Casanova” und zwei neuen Themenfeldern, die aber noch in der Vorbereitung stecken. Es wird sich nicht nur um Fotoarbeiten handeln, sondern sich auch im Kostümbereich bewegen.
Wie kommst Du auf Deine Ideen?
Die Ideen tummeln sich im Alltäglichen, auf den Straßen, in meinem Umfeld.
Inspirationsquellen lauern überall, wenn man offen dafür ist und seine Sinnesorgane ständig benutzt, wie z.B. im Theater, Ballett, Kino, in Museen, Büchern, in der Malerei, Fotografie, die Musik ist auch eine sehr große Quelle der Inspiration, aber auch die Modelle und Musen selbst, wie man so schön sagt, wenn die Muse küsst. Bestimmte Orte, Requisiten u.a., die ich entdecke, wecken meine Neugier und Fantasie, regen die Ideen an.
Worauf sollte man achten?
Für mich ist die Stimmung sehr wichtig. Die Magie des Fotoortes, das Licht ist für mich von ganz besonderer Bedeutung, das Zusammenspiel mit dem Modell, eine gute entspannte Atmosphäre und Freude, die Liebe zur Fotoarbeit.
Wichtig ist auch das Organisatorische im Vorfeld, Disziplin, Ausdauer, Ruhe, Gelassenheit und Humor, die Planung, Realisation, Umsetzung, um so besser man vorbereitet ist, um so besser wird auch das Ergebnis am Ende sein. Flexibilität beim Shooten ist von Vorteil. Gute Technik ist allerdings allein kein Garant für das Gelingen, Technik ist das Eine, die Kunst des Bildermachens das Andere, alles fließt durch die Augen, der geübte Blick, Hände und Kamera, das Zusammenspiel ist wichtig, der Moment des Auslösens, begleitet von einem wundervollen Gefühl, ich kann das verbal nicht wirklich beschreiben, ich kann nur sagen, wenn man erst einmal damit begonnen hat, kommt man nie wieder davon los.
Wenn Du ein Shooting planst, hast Du dann schon die Bilder im Kopf?
Ich schreibe und male im Vorfeld meine Konzepte auf und habe auch schon entsprechende Bilder im Kopf, immer Zettel in meiner Tasche, damit ich alles aufschreiben kann zu jeder Zeit; alle Fragmente werden dann später zusammen getragen und das Konzept entsteht, Impulse gesetzt. Der Zufall ist auch ein ständiger Begleiter der Kunst, dass darf man nicht unterschätzen und somit können sich spontan die Dinge auch oftmals anders entwickeln, direkt vor Ort beim Shooting. Da man als Fotograf, anders als in der Malerei, auch vom Mitwirken des Modells stärker abhängig ist, kann es dann in zwei Richtungen gehen, das Ergebnis wird besser als erwartet oder es entspricht nicht den Vorstellungen im Vorfeld. Sicherlich finden sich auch hier Parallelen zur Malerei, aber Fotografie ist eben Fotografie, sie übt einen ganz anderen speziellen Reiz aus.
Besprichst Du das Vorhaben schon vor dem eigentlichen Shooting mit Deinem Modell?
Das hängt vom Konzept ab, in den meisten Fällen bespreche ich jedoch mein Vorhaben, weil ich auch die Ausstattung, das Styling etc. komplett selbst übernehme und dies detaillierte Vorabsprachen erfordert, sich beide Seiten somit auch mental auf das Shooting vorbereiten können. Modelle, die ich nicht kenne, die neu hinzukommen, da halte ich mich zunächst bedeckt und gebe meine Ideen im Vorfeld nicht detailliert weiter. Gerade wenn es um Ausstellungskonzepte geht. In dem Fall warte ich das erste Shooting ab, welche Entwicklungsmöglichkeiten sich für beide Seiten bieten. Ich bevorzuge es, länger mit den Modellen zusammen zu arbeiten, das wirkt sich positiver auf meine Fotoarbeit aus.
Eine gute Zusammenarbeit und Verständnis füreinander sind von großer Wichtigkeit, was das Gelingen der Fotos betrifft. Das Modell ist für mich kein Objekt oder “Mittel zum Zweck”, sondern es wirkt an dem Gelingen des Fotos stark mit. Ich achte im Vorfeld sehr genau darauf, welches Modell zu welchem Konzept oder zu welcher Idee passt und suche daher gezielt die entsprechenden Persönlichkeiten dafür aus.
Was gehört neben der Fotoausrüstung für Dich auf jeden Fall mit zum Shooting?
Das ist unterschiedlich. Bei bestimmten Projektshootings ist es von Vorteil, eine Assistenz an seiner Seite zu haben. Die Zusammenstellung der Requisiten ist ein wichtiger Bestandteil, die Location, Pünktlichkeit aller Beteiligten, gute Organisation und somit die gezielte Umsetzung der Fotoideen. Ganz wichtig ist für mich jedoch immer das Licht. Ich arbeite fast ausschließlich mit natürlichem Licht und beziehe die Jahreszeiten und Stimmungen in meine Fotoarbeit sehr stark mit ein.
Wie bearbeitest Du Deine Bilder?
Das ist ganz verschieden, von meiner Stimmung und vom Projekt her abhängig, es gibt Fotos, die bearbeite ich überhaupt nicht. Andere Bilder inspirieren mich wiederum im “Rohzustand” wie eine weiße Leinwand, etwas zu verändern, aber die Bearbeitung ist immer nur zart eingefügt, ich verändere die Vorlagen nie extrem. Das Originalbild hat immer noch einen Bezug zum bearbeiteten Bild. Der Prozess des Bearbeitens ist auch nur möglich, ähnlich wie in der Malerei, wenn ich inspiriert bin, dann ist es wunderbar, ein Bild zu verändern oder zu ergänzen. In der Malerei hat man mehr Freiheiten, in der Fotografie ist eine andere Arbeitsweise möglich, als in der Malerei, daher bereitet es mir seit jüngster Zeit viel Freude, die Bilder zu verändern. Dazu arbeite ich Adobe Photoshop. Jedoch verspüre ich immer wieder die Lust, auch mehr manuell in die Bilder einzugreifen, einfach den Pinsel und Farbe real in die Hand zu nehmen und in die Fotos hineinzumalen. Mir fehlt mit den Jahren einfach das handwerkliche reale Tätigsein, alles beschränkt sich zu sehr nur noch auf den Computer. Daher werde ich handwerklich, also direkt mit den Händen auch immer parallel zur digitalen Arbeitsweise zum Ausgleich tätig sein. Eine Mischung aus beidem ist für mich interessant.
(tok)






