Warum kann eine Blu-ray nicht einfach auch nur ein Film sein?
Neulich war es bei mir wieder so weit: Heimkino war angesagt und ich lud den frisch aus Großbritannien erworbenen Streifen „Crank 2“ in den Blu-ray-Player. Und dann ging es ab, sage ich Ihnen. Der Abend ist wie im Fluge vergangen: Erst zeigt der Player das Ladesymbol der Scheibe an, dann kommt ein satter Soundtrack aus den Lautsprechern, dann wird das Bild schwarz und es öffnet sich … es öffnet sich … es öffnet sich … nichts. Na gut, fast nichts. Ein verschämtes, etwa 10 x 10 cm großes Fenster in der ansonsten schwarzen Fläche des Bildschirms zeigt, untermalt vom wuchtigen Soundtrack, dass es wohl ein Menü geben muss, das sich aber nicht starten lässt, weil man es nicht sieht.
Halb so schlimm, bestimmt ein Fehler der automatischen Auflösungseinstellung. Also schnell die Blu-ray gestoppt, das Menü des Players aufgerufen und mal testweise von 1080 auf 576 herunterskaliert. Wieder raus aus dem Untermenü, dann noch raus aus dem Hauptmenü und die Scheibe wieder angeworfen.
Sie lädt … lädt … lädt, da – ein Bild. Hurra! Volle Größe. Aber kein Ton? Vielleicht aus Versehen leise gestellt. RRRRRRUUUMMMSS!!!! Nö, war doch laut genug. Der Soundtrack donnert durch die Wohnung, bis ich die Fernbedienung wiederfinde, die mir vor Schreck runtergefallen ist. Guter Ton ist es ja, muss ich sagen. Bloß das Bild ist jetzt ganz weg. Ich hätte wohl doch nicht versuchen sollen, den Film zu starten.
Zur Sicherheit überprüfe ich die Kabel zwischen dem Blu-ray-Player, der Soundanlage und dem Fernseher und gehe in den Menüs noch einmal die Einstellungen für die Auflösung und die Videonormen durch. Dauert nicht lange, nach einer halben Stunde steht fest, dass sich nichts geändert hat und keines der Geräte durch Aliens zur molekularen Respirationskammer umgebaut wurde.
Nach einer weiteren Stunde kenne ich das Handbuch des Blu-ray-Players auswendig und kann eigenhändig und ohne Spickzettel die derzeit aktuellen Videonormen vorsingen. Ich singe aber nicht besonders und das Bild bleibt dunkel – bis auf eben jenen ominösen Bildausschnitt, der darauf hindeutet, dass da etwas ist, was dieser Player schlicht nicht abspielen kann.
Klarer Fall – der Player muss kaputt sein und wir schauen auf dem alten DVD-Player stattdessen „Ashes to Ashes“. Inzwischen habe ich mich mit dem Gedanken abgefunden, dass ein neuer Player angeschafft werden muss. Die Auswahl ist allerdings nicht einfach: Super-Bild sagt Käufer A, nur dumm, dass der Apparat mit seinem Lüfter den Fernseher übertönt. Klasse Wiedergabe, sagt Käufer B, es stört nur, dass ich die Eier immer im Wohnzimmer aufschlagen muss, um auf der kochenden Oberfläche des Players Spiegeleier zu braten. Super, mit YouTube, berichtet Käufer C, man kann ins Internet und vom USB-Stick wird auch gelesen. Nur das Abspielen von Scheiben, das ist ein bisschen blöd, da hält der Player alle 20 Minuten an.
Aber endlich finde ich unter all diesen High-tech-Wunderwerken, die immerhin um 200 Euro oder mehr kosten, einen passenden Player, der anscheinend tatsächlich in der Lage ist, halbwegs leise und halbwegs zuverlässig das zu tun, was eigentlich bei all diesen Dingern versprochen wird. Da interessiert es mich wenig, dass in den Kommentaren gesagt wird, dass einige Videonormen, von denen ich noch nie gehört habe, nicht gut abgespielt werden. Ich will ja bloß Filme anschauen, also ganz was Schlichtes.
Während ich geistig schon fast den Kaufen-Knopf gedrückt habe, lese ich plötzlich von etwas, das dem Support meines Players ebenso unbekannt war wie allen Google-Suchen, die ich bisher unternahm: dem Crank-2-Problem.
Mein Player, so wissen Kommentatoren in Großbritannien, ist mitnichten kaputt – nur die übersensible Blu-ray weigert sich, in vielen Playern zu laufen. Es läge am Kopierschutz oder an der BD-Live-Funktion, wird spekuliert, doch Genaues weiß keiner. Ab dem nächsten Firmware-Upgrade des Players werde es wohl besser werden. Nun, mein Hersteller tut sich da jedenfalls nicht hervor.
Aber einen Tipp finde ich doch. Er ist so seltsam, dass ich ihn ausprobieren muss: Ich stecke einen USB-Stick in den Player und lege den Film noch einmal ein. In wenigen Sekunden erscheint ein wunderbar im Vollbild laufendes Menü, untermalt vom Soundtrack. Und als hätte es nie Probleme zu geben, läuft der Film in seiner vollen Größe …
Wissen Sie, es gab einmal eine Zeit, da gab es Videokassetten, die schob man einfach in das Abspielgerät und wenn die Kassette in den Player passte, stand dem Filmgenuss auch fast schon nichts mehr im Wege. Ich möchte doch gar keine Auflösungen, Normen, Standards und dergleichen kennen und auswählen – ich möchte einfach nur einen Film sehen.
Hier ein kleiner Einschub für die jüngeren Leser: Videokassetten könnt Ihr euch als eine Art überdimensionale Compact Cassette vorstellen, auf der man Videos aufzeichnen konnte, um die Bildqualität dann kontinuierlich durch mechanischen Abrieb zu verringern. Ach so, Moment, Ihr könnt ja vermutlich auch mit der Compact Cassette nichts anfangen. Also, stellt Euch einen MP3-Player vor, der etwa so groß ist wie das letzte Dan-Brown-Taschenbuch. In dieses Taschenbuch müsst Ihr jetzt ein ziemlich empfindliches, dafür aber großes Speichermedium einlegen, das beim Abspielen kontinuierlich schlechtere Qualität liefert, dafür aber auch nur maximal 45 Minuten fasst. Dann muss das Medium gewendet werden, damit man noch einmal 45 Minuten abspielen kann. Nein, Fotos und Musikvideos passen da auch nicht drauf.
So, nun aber zurück zur Videokassette – obwohl sie mehr als unpraktisch waren, die Qualität aus heutiger Sicht eher zum Heulen war und an Extras wie Menüs, unterschiedliche Sprachen oder die beliebten Making-Ofs nicht zu denken war, hatten sie einen entscheidenden Vorteil: sie liefen in jedem Player.
Bei der DVD wurde die heimische Video-Landschaft schon etwas komplexer, plötzlich muss der Kunde wissen, ob sein Gerät DVD, DVD-R, DVD-DL, DVD+R, DVD-RW oder DVD+RW verdauen kann. Immerhin, auch hier gilt zumindest bei normal im Handel befindlichen Filmen, dass fast jeder Player fast jeden Film abspielen kann (haben Sie die kleine Einschränkung bemerkt?). Also ein recht problemloses Medium, das nicht umsonst in jedem Haushalt häufig mehrfach vorhanden ist.
Aber es gibt ja nichts, was man nicht noch verbessern kann und so trat die Blu-ray auf den Plan. So eine Blu-ray-Scheibe – ich erspare mir hier eine ausführlichere Beschreibung – sieht für Otto Normalanwender so aus wie eine DVD: rund und glänzend. Auch der Player sieht unspektakulär aus und unterscheidet sich weniger durch sein Erscheinungsbild als durch den Preis vom gewohnten DVD-Brikett unter dem Fernseher.
Das ist aber nur äußerlich, denn im Innern ist alles neu: Der Laser leuchtet leuchtender, nämlich blau, und die Elektronik holt viel mehr aus den digitalen Hubbeln bzw. Dellen der Scheibe heraus. Der Ton ist fürstlich und die Bildwiedergabe ist mit ihrer Farbtiefe und Brillanz wirklich grandios. Das heißt, wenn Sie es zu sehen bekommen …