Die Bibliothek in der Tasche

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Seit geraumer Zeit sind Bücher wieder so richtig in. Natürlich nicht die Dinger auf Papier – die sind nach wie vor zu einem Beinah-Nischenmarkt geschrumpft. Nein, die Rede ist von den so genannte E-Book-Readern vom Schlage eines Amazon Kindle, Sony Reader, CyBook oder BeBook. Kaum eine „Wissenssendung“ im TV, kaum ein „Gadget“-Blog, das ohne sie auskommt und ihnen eine goldene Zukunft prophezeit. Schließlich sind diese Dinge ja furchtbar in – da wird man schnell zum langweiligen Normalleser in der Version 1.0, wenn man nicht so einen Reader besitzt.

Bervor Sie jetzt loslaufen und dem Trendgott 300 bis 400 Euro opfern, halten Sie einen Moment inne. Wo – außer gut angekettet und hinter Glas in Ihrer Buchhandlung – haben Sie so ein Ding schon einmal gesehen? Ich meine in „freier Wildbahn“? Schließlich sind diese Reader nicht nur teuer, sondern tatsächlich auch praktisch.

E-Book-Lesegeräte im Test

Amazon Kindle ©Amazon

Amazon Kindle ©Amazon

E-Book-Reader sind handlich und eignen sich für die Lektüre längerer Texte besser als jeder PC und jedes Handy. Die speziellen Displays stellen elektronische Bücher gestochen scharf und augenfreundlich dar und die Akkus halten mehrere Wochen, schreibt das Computermagazin c’t in seiner Ausgabe 25/09.

Es gibt in Deutschland rund ein Dutzend verschiedener E-Book-Modelle im Taschenbuch-Format, mit denen man elektronische Bücher lesen kann. Die Displays benötigen nur beim Umblättern Strom, weshalb man die Technik auch als “elektronisches Papier” bezeichnet. Auch ohne aktive Beleuchtung sehen Texte gestochen scharf aus, weil die Displays aus kleineren und daher mehr Bildpunkten zusammengesetzt sind als bei Notebook- und Handydisplays.

Von den vielen verschiedenen Formaten, in denen E-Books angeboten werden, ist das quelloffene Epub am weitesten verbreitet. Das Angebot an deutschsprachigem digitalem Lesestoff im Epub-Format ist mit mehreren tausend E-Books recht groß, aber noch lange nicht umfassend.

Im Format Mobipocket gibt es vorwiegend Klassiker und ausgefallene Belletristik, englischsprachig auch Bestseller. Die größte Auswahl an elektronischen Beststellern gibt es aber bei Amazon – allerdings fast nur auf Englisch und ausschließlich in einem speziellen Format.

Der Kindle von Amazon hat im c’t-Test vor allem mit einer einfachen Bedienung überzeugt.

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http://www.amazon.com/gp/mpd/permalink/m2EV4VGJ1ZQMQ7[/flv]

“Dank der integrierten Funktechnik UMTS braucht man gar keinen PC, sondern kauft die Bücher einfach online. Und die Menüs sind ganz auf das Lesen ausgerichtet”, berichtet c’t-Redakteur Achim Barzcok.

Allerdings kann das Gerät im Gegensatz zum restlichen Testfeld keine Bücher im Epub-Format anzeigen. Ähnlich wie der kompakte Cybook Opus ist es aber auffallend schnell beim Umblättern. Der Hanvon N518 besitzt eine besonders gute Handschrifterkennung für die Eingabe von Notizen, der Sony Reader lässt sich nicht nur mit einigen Tasten, sondern zusätzlich mit den Fingern direkt auf dem Display bedienen, schwächelt aber bei der Displayqualität. Der Digital Reader kostet mit 700 Euro mehr als doppelt so viel wie die Konkurrenz, zeigt dafür aber als einziges Gerät auch PDFs leserlich an. Einen ordentlichen Musikplayer findet man bei Iriver Story, der außerdem auch Office-Dokumente aufs Display bringt.

Das CyBook

CyBook ©BeBooks

CyBook ©Bookeen

Ich habe mir eines dieser schicken Lesegeräte, ein CyBook, das mir freundlicherweise von justread.de geliehen wurde, einmal angesehen und muss sagen, dass das Gerät meine Skepsis gegenüber elektronischen Büchern komplett beseitigt hat. Es ist ohne Anleitung nutzbar, sehr leicht und, der wichtigste Punkt, lässt sich ebenso gut wie ein herkömmliches Buch lesen.

Aber lassen Sie uns erst einmal einen Blick darauf werfen, wie so ein eBook-Reader überhaupt funktioniert: Alle gängigen Geräte setzen auf die so genannte eInk-Technologie, bei der das Schriftbild auf dem Display durch schwarze und weiße Pigmentkügelchen entsteht, die per Spannung gesteuert werden. Im Wesentlichen verbraucht daher nur das Ändern des Bildes Strom, so dass ein aufgeladener Reader erstaunlich lange hält.

Im Alltagstest reichte der aufgeladene Akku des mattschwarzen Readers für über eine Woche aus und ich konnte bequem zwei Bücher mit je etwa 500 Seiten lesen, ohne dass das Gerät wieder geladen werden musste. Das sind etwa 2-3 Stunden täglicher Lesezeit ohne Stromversorgung.

Die Texte selbst sehen aus wie auf Papier gedruckt, allerdings kann man die Schriftgröße verstellen, die Schriftart auswählen und bequem eine ganze Büchersammlung dabeihaben. Der interne Speicher von 512 MB reicht für eine ganze Bibliothek mit gut 500 Büchern, außerdem kann der Reader mit handelsüblichen SD-Speicherkarten erweitert werden.

Das Gerät ist etwa so groß wie ein Taschenbuch, mit rund 180 Gramm sehr leicht und so handlich, dass es auch mit einer Hand bedient werden kann. Damit eignet sich der Reader problemlos zum Lesen in der Bahn, auf dem Sofa zu Hause oder auf der Parkbank. Noch etwas ähnelt dem Buch auf Papier: Auch beim eBook-Reader benötigt man Tageslicht oder eine Lampe zum Lesen, da das Display ohne Hintergrundbeleuchtung auskommt. Da, wo es für ein normales Buch zu dunkel ist, ist auch für den Reader Schluss mit dem Lesevergnügen.

Zunächst war ich ja skeptisch, ob man wirklich ohne Anstrengung längere Zeit mit so einem Gerät lesen kann oder ob es nicht doch spiegelt, flimmert oder anderweitig stört. Ich habe das CyBook in den letzten Tagen wirklich fast überall ausprobiert – im Sonnenschein auf der Terrasse, im Café und auf der Couch, auch abends mit direkter Beleuchtung. Das Ergebnis war schon beeindruckend, denn ich konnte selbst bei direktem Sonnenlicht keine Beeinträchtigung feststellen.

Die Schrift selbst ist auf dem 6-Zoll-Bildschirm angenehm lesbar und flimmerfrei. Hinzu kommt, dass ich die Schriftgröße einstellen konnte und mir so immer die angenehmste Ansicht einstellen konnte. Ungewohnt ist nur, dass beim Umblättern der Text für einen kurzen Moment invertiert wird. Schon nach kurzer Zeit hat man sich aber an das kurze „Blinken“ gewöhnt.

Was ich wirklich angenehm an dem Reader finde, ist die Bedienung durch nur einen Multifunktionsschalter, mit dem man die Bibliothek aufrufen kann und umblättern kann. Damit ist auch das „einhändige“ Lesen bequem möglich.

Das Kernproblem vieler eBook-Reader ist die Formatvielfalt der elektronischen Bücher. Einige Hersteller setzen hier auf eigene Formate, was aber durchaus problematisch ist. Solche Lesegeräte erlauben nur den Zugang auf ein selektiertes Buchangebot, während andere Geräte, wie auch das CyBook, gleich mehrere eBook-Formate verarbeiten können. Im Falle des CyBook sind das  PDF, Mobipocket, PalmDoc, HTML und TXT. Auch weitere Schriften im TrueType-Format kann man in den Reader einspielen.

Zusätzlich kann das Gerät Bilder in den Formaten JPG, GIF und PNG anzeigen, wenn auch, bedingt durch die nur 4 Graustufen, in recht magerer Qualität. Auch MP3-Dateien soll das CyBook abspielen können, ich habe mich allerdings darauf beschränkt, die Kernkompetenz des Gerätes zu testen.

Die eBooks selbst kann man recht einfach auf das CyBook bekommen: das Gerät wird mit einem USB-Kabel mit dem Rechner verbunden (über das das CyBook auch geladen wird) und als externe Festplatte erkannt. Ohne zusätzliche Software kann man seine heruntergeladenen eBooks einfach in das CyBook verschieben, wo sie dann in der Bibliothek erscheinen. Damit ist das CyBook eines der universellsten Geräte im Markt, da es, anders als beispielsweise das Angebot von Sony, nicht nur auf die Windows-Plattform beschränkt ist, sondern auch mit Mac OS oder Linux läuft.

Ist das eBook im Gerät, erscheint es mit einer Miniaturdarstellung des Umschlags in der Bibliothek. Beim Durchforsten der Buchsammlung hilft die Multifunktionstaste, mit der man die Liste der Bücher herauf und herab durchsuchen kann und mit links und rechts die Seiten wechseln kann. Ein Druck auf den zentralen Knopf öffnet dann das Buch.

Hat man bereits in dem Buch gelesen, erinnert sich der Reader daran, auf welcher Seite man sich zuletzt befunden hat. Möchte man sich mehrere wichtige oder interessante Stellen im Buch merken, kann man mit einem Knopfdruck auch noch zusätzliche Lesezeichen setzen.

Sehr gut gefallen hat mir die sehr einfache Bedienung des Gerätes und die wirklich gute Lesbarkeit des Displays, das an ein leicht graues Papier erinnert und auch bei längerer Benutzung angenehm ist. Das für eInk typische Blinken beim Seitenwechsel ist wider Erwarten nicht störend, die Laufzeit des Gerätes reicht auch für einen Urlaub aus.

Weitere Informationen über das CyBook finden Sie hier oder hier. Das Gerät ist derzeit ab etwa 240 Euro erhältlich.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=dJzR5AXkR28[/youtube]

CyBook Opus

CyBook Opus ©Bookeen

CyBook Opus ©Bookeen

Eine interessante Alternative zum CyBook ist der CyBook Opus. Er ist mit 151 Millimeter Höhe und 108 Millimeter Breite handlicher als das ursprüngliche CyBook und präsentiert sich mit 150 Gramm als extrem leichtes Lesegerät. Wie auch schon beim CyBook kommt hier die eInk-Technologie zum Einsatz, die das Lesen auch bei Sonnenschein möglich macht. Über einen Bewegungssensor kann der Opus automatisch zwischen Hoch- und Querformat wechseln – einfach durch drehen des Gerätes.

Der eigentliche Bildschirm ist 76mm x 101mm (5 inch) und stellt seine 4 Graustufen in einer Auflösung von 600 x 800 Punkten mit 200 dpi dar.

Der Opus präsentiert sich mit seiner abgerundeten Form und der weißen Oberfläche als auch optisch sehr angenehmer Begleiter, der, dank verbesserter Akkuleistung, etwa 8000 Seiten darstellen können soll. Für Normalleser sind das bis zu zwei Monate Laufzeit bis zum nächsten „Tanken“.

Opus unterstützt viele offene Formate wie beispielsweise ePUB und PDF und bietet 1GB internen Speicher, der über eine MicroSD-Karte erweitert werden kann.

Um die elektronischen Bücher zu laden, wird der Opus per USB mit dem Rechner verbunden. Die Bücher werden dann wie auf eine externe Festplatte kopiert.

Der rund 250 Euro teure CyBook Opus kann auch Bilder in den Formaten JPG, PNG und GIF anzeigen. Die gespeicherten Bilder werden automatisch auf die Bildschirmgröße reduziert und dann ähnlich wie in einem digitalen Bilderahmen angezeigt.

[dailymotion]http://www.dailymotion.com/video/x9vb0a_cybook-opus-epaper-screen_tech[/dailymotion]

Leser sind bereit für eBooks

“Die deutlichen Ergebnisse der Umfrage haben uns überrascht”, so Sandra Dittert, Geschäftsführerin der aboutbooks GmbH, die das Literaturportal LovelyBooks betreibt.

“Das Interesse an dem Thema eBook ist groß und viele Mitglieder diskutieren auf unserem Portal über die kommenden Entwicklungen.”

Von den rund 600 Befragten können sich 85% vorstellen, Bücher auf einem elektronischen Gerät zu lesen, 57% geben an, sich einen eBook-Reader kaufen zu wollen. Wichtigste Vorraussetzung für die Befragten: Das Gerät muss einfach in der Handhabung sein und ein komfortables Lesen ermöglichen (47%).

Der Preis des eBook-Readers spielt eine wichtige Rolle: 72% der Befragten würden für ein elektronisches Lesegerät maximal bis zu 200 Euro ausgeben. Auch bei den Preisen für eBooks haben die Leser klare Vorstellungen: 81% der Befragten sind der Meinung, das elektronische Buch müsse günstiger angeboten werden als die gedruckte Version. Dass die guten alten Buchseiten aus Papier ganz verschwinden, ist für die LovelyBooks-Mitglieder jedoch undenkbar: Lediglich 1% der Teilnehmer glaubt, dass das gedruckte Buch ganz vom eBook verdrängt wird.

Trotz der Aufgeschlossenheit gegenüber dem Elektronischen kaufen 44% der befragten LovelyBooks-Mitglieder ihren Lesestoff bislang nicht im Internet, sondern im lokalen Buchhandel. Für den eBook-Verkauf könnte das in Zukunft allerdings anders aussehen: 63% der Befragten würden ihre elektronischen Bücher gerne bei dem Online-Händler Amazon kaufen, während 22% der Befragten den Onlineshop ihres Buchhändlers vorziehen würden. Nur 9% würden eBooks gerne direkt im Laden kaufen.

Parallel zur Umfrage hat das Literaturportal LovelyBooks seinen Mitgliedern interessante Fakten und Experten-Interviews rund um das Thema elektronisches Lesen geliefert. So berichtet Birgit Schmitz, Lektorin beim Verlag Kiepenheuer und Witsch, von der Nutzung eines eBook-Readers in ihrer täglichen Arbeit. Die Expertin schätzt die Vorteile des eBooks und ist ähnlicher Meinung wie die befragten LovelyBooks-Mitglieder:

„Unser Leseverhalten wird sich vermutlich durch das elektronische Buch verändern. In einigen Bereichen erleichtern die Reader das Lesen und Arbeiten. Die intime Lektüre, die auch von der Haptik des Buches begleitet wird, kann jedoch kaum ganz vom Reader ersetzt werden.“

(tok)

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2 Responses to Die Bibliothek in der Tasche

  1. Dennis says:

    Bücher auf Papier ein Nischenmarkt? Wohl nur in den Köpfen der Technikfritzen…

    • admin says:

      @Dennis
      Dann liegen Dir wohl andere Marktzahlen und Statistiken zur Leserentwicklung vor. Wieviel Menschen kennst Du den, die mehr als eine Handvoll Bücher besitzen (sagen wir so 50 – 100) und regelmäßig Bücher kaufen (also mindestens 1 pro Monat)? Wenn ich mich so umschaue, dann wird es in dieser Richtung schon dünn.

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