Ich bedanke mich ganz herzlich bei Sally für das nette Interview.
Sally: Das hat sich so eingeschlichen – meine Mutter hatte eigentlich immer und überall eine Kamera dabei, so bin ich quasi mit strobo-artigem Blitzlichtgewitter aufgewachsen und hatte auch schon früh eine Kamera in der Hand. Natürlich fing es an mit Sonnenuntergängen, Schrottplätzen und dem Garten, und als ich dann feststellte, dass die Fotos gar nicht so schlecht waren, mussten schon bald Freunde herhalten und es wurde wie wild experimentiert. Ich habe mich dann mit unzähligen Fotobüchern umgeben und auch einige Fotokurse besucht, bis ich meine handfeste Ausbildung zur Fotografin anfing.
Sally: Ganz ehrlich – ich kann mich wirklich nicht erinnern. Aber ich weiß, dass es sicher viel zu viel Aufwand und Arbeit für viel zu wenig Geld war, wie immer… haha
Sally: Eigentlich fotografiere ich so gut wie gar nicht mehr analog, da meine Bilder gerade von der digitalen Nachbearbeitung leben, und das Handling dadurch für mich auch viel einfacher geworden ist.
Ich liiiiiiebe technischen Fortschritt und Computer sowieso. Man hat einfach alle Möglichkeiten. Ich sitze vor dem Monitor und habe quasi ein Stück rohe Masse, aus der ich alle nur erdenklichen Dinge formen kann! Auch der Kostenfaktor und die sofortige Kontrolle während des Fotografierens auf dem Kamerarückteil sind für mich ausschlaggebend. So richtig kann ich es mir eigentlich gar nicht mehr vorstellen, im Berufsalltag analog zu arbeiten.
Allerdings habe ich auch immer gerne analog fotografiert und ich würde auch gerne mal wieder mit einer Großformatkamera und P55-Material Portraits machen … Es würde mich auch reizen, einmal völlig authentisch mit altem Kameraequipment Bilder der jeweiligen Ära aufzunehmen und zu entwickeln …
Sally: Canon, weil ich damit angefangen habe. Es gibt keinen besonderen Grund, war halt die erste Spiegelreflex, die ich in der Hand hatte und ich war immer sehr zufrieden. Derzeit arbeite ich mit einer Canon EOS D5, mit der bin ich sehr zufrieden und mehr kann ich mir außerdem nicht leisten. (lacht)
Sally: Gar nichts, ich würde sie zur Beratung in ein Fotofachgeschäft schicken. Denn, um ehrlich zu sein, bin ich nicht wirklich auf dem Laufenden, was alle Kameras angeht. Wie kann man das auch, wenn jeden Monat zig Neuerungen der unterschiedlichsten Ansprüche und Preisklassen auf den Markt kommen? Außerdem muss jeder für sich entscheiden, welche die richtige Kamera für seine Zwecke ist, und mit welchem Gerät man sich wohl fühlt.
Den einzigen Rat, den ich geben würde, ist der, nicht am Objektiv zu sparen. Denn ein gutes Objektiv macht (unter anderem) ein gutes Bild aus. Also sollte man unbedingt auf ein lichtstarkes Objektiv eventuell mit Bildstabilisator achten.
Sally: Puuh… ich arbeite derzeit sehr viele Aufträge von Privatpersonen ab, die alle noch ein schönes bearbeitetes Bild oder einen Kalender von ihrem Shooting für Weihnachten haben wollen. Da sind die unterschiedlichsten Sachen dabei, von der gefährlichen Film-Noir-Diva, einer Domina, diversen niedlichen Pin-Ups bis hin zu Kinderfotos im „Halbstarken“-Stil. Des Weiteren designe ich gerade sehr viele Flyer für meine eigenen Werbezwecke, aber die sollen ja auch kleine Kunstwerke sein …
Sally: Nun, das kommt sicher darauf an, was man fotografiert … Wenn man mit Privatpersonen im Studio arbeitet, ist eine lockere und gemütliche Atmosphäre unbezahlbar. Die Kunden müssen das Gefühl haben, dass sie sich voller Vertrauen fallen lassen können und ein Stück von sich preis geben können, denn das macht ein Bild mit Tiefenwirkung aus. Man kann nur Profimodels auf Bildern nicht ansehen, wenn sie sich nicht wohlfühlen.
Sally: Ich habe zwischenzeitlich meine Heimat Berlin verlassen, um meine Ausbildung in Hamburg zu machen. Da bin ich dann auch ein bisschen länger geblieben und habe in einer völlig unglamourösen Gegend, wo sich Bordsteinschwalbe und ostsibirischer Truckerfahrer Gute Nacht sagen, ein Studio aufgemacht. Haha, viiiel zu klein mit viel zu niedrigen Decken im Keller mit Toilette auf dem Flur … Aber hey – ich konnte dort trotzdem all die Bilder machen, die ich wollte, und es war mein erster Schritt zur Selbstverwirklichung (und außerdem das Einzige, was ich mir leisten konnte).
Das Lichtsystem ist immer noch das Gleiche – ich arbeite mit Profoto 600er Kompaktblitzen und diversen Lichtformern. Früher war es noch die Canon D10, die mir treue Dienste erwiesen hat.
Sally: Ich plane meist sehr kurzfristig, meine Kunden bringen ihre Kleidung oder Kostüme mit, und ich schau mit meiner Visagistin drüber und denke mir passend zur Person spontan Themen aus. Ich gehe natürlich auch auf Wünsche der Kunden ein, wenn sie sich z. B. eine bestimmte Pose vorstellen oder eine besondere Stimmung. Das mache ich meist erst dann, wenn ich die Person wirklich vor mir habe, und ungefähr einschätzen kann, was für ein Typ diese Person ist und was passen würde. Ich wage zu behaupten, dass ich über eine sehr gute Menschenkenntnis verfüge und mich da noch nie geirrt habe …
Beim Fotografieren baut sich dieses Bild auf, vorher habe ich eine gewisse Thematik oder Stimmung, zu der ich will, aber ich versteife mich nicht darauf. Es ist wichtig, flexibel zu sein, vor allen Dingen, wenn man mit Amateuren arbeitet, was bei meinen Kunden ja zu 80 % der Fall ist.
Oft genug kommt später am Rechner aber auch etwas völlig anderes dabei raus, als zu Anfang geplant war, da lass ich mich auch drauf ein und überrasch mich selbst manchmal …
Sally: Wie schon erwähnt, wird alles mit dem Kunden vorher besprochen, da ich wirklich selten mit Models, sondern wirklich mit Privatpersonen zusammenarbeite, die zu mir kommen, um mal ganz anders auszusehen.
Sally: Konzentration und Aufnahmebereitschaft auf beiden Seiten und ganz wichtig: Spaß dabei.
Sally: Manchmal habe ich einfach keine Meinung mehr zu einem Bild, nachdem ich Stunden vorm Rechner saß und daran gearbeitet habe. Irgendwie verliert man dann den Bezug dazu und weiß nicht mehr recht, ob es gut oder schlecht ist. Es hat dann auch keinen Sinn mehr, daran weiterzuarbeiten. Dann lass ich es ein paar Tage liegen, und wenn ich es dann hervorhole, denke ich mir „Wow, war ich das etwa? Ist ja echt toll geworden“. Insofern – ja, ich freu mich über meine Arbeit und wenn ich mal wieder etwas genau so umsetzen konnte, wie ich es mir vorgestellt habe. Nur verliert man manchmal ein wenig die objektive Sicht auf Bilder, deswegen lasse ich gerne Andere meine Bilder für Ausstellungen aussuchen …
Sally: Hey…. Ich LEBE in Photoshop. Also Vollretusche olé!
Sally: Die gesamte Adobe Creative Suite und zum Bearbeiten der Bilder natürlich Photohop, teilweise auch Software von OnOne zum Maskieren oder um Farbstiche auszugleichen
Sally: Also ich habe von Anfang an Photoshop benutzt, und mir in 10 Jahren alles selbst beigebracht. Gelernt habe ich es einfach durch Ausprobieren, durch Fehler machen und durch kleine Tutorials in Zeitschriften oder im Internet. Wenn man mit Photoshop nicht vertraut ist, wird man erst mal erschlagen von zig Werkzeugen und Funktionen, das wurde mir erst wieder bewusst, als ich anfing, mich mit Grafikprogrammen wie InDesign zu beschäftigen. Um beispielsweise den Umgang mit GoLive zu erlernen, dauerte mir der Weg des „Learning by Doing“ zu lang, und ich habe mir kurzerhand eine Lern-DVD von Galileo gekauft. Ich kann das nur empfehlen, weil man auf diese Art und Weise genau verfolgen kann, WELCHER Button WO geklickt wird, so kann man viel mehr in kürzerer Zeit aufnehmen, als wenn man ein Buch zur Hand nehmen würde.
(tok)
